Da die Firma MEGGLE GmbH & Co. KG trotz den sachlichen Einwänden seitens der Gemeinde und der Interessengemeinschaft Edlinger Wasser e.V. wieder eine Entnahmemenge von 3 Mio m³ Wasser auf 20 Jahre beantragt hat und die Gemeinde alle rechtlich möglichen Schritte (Gemeinderatsbeschluß Oktober 2019) eingeleitet hat, werden wir mit der Petition unser aller Anliegen im Rahmen der Bürgerrechte stärken. 

Bezüglich dieser Petition werden wir die Bürger aufrufen Online ihre Stimme für unser aller Anliegen abzugeben.

Die Petition können Sie hier unterschreiben:


Edling, 29.11.2019

Petition gegen den aktuellen Antrag der Molkerei Meggle Wasserburg GmbH & Co. KG auf Entnahme des Grundwassers aus dem Edlinger Delta:

Antrag der Molkerei Meggle Wasserburg GmbH & Co. KG auf eine beschränkte Erlaubnis für das Entnehmen und Zutage Fördern von Grundwasser

Sehr geehrte Abgeordnete,

aufgrund des nun vorliegenden Antrages der Firma Meggle Wasserburg GmbH & Co. KG (weiterhin nur noch „Firma MEGGLE“ genannt) zur wasserrechtlichen Erlaubnis einer Grundwasserentnahme aus dem Edlinger Becken ab dem 01.01.2020 mit einer Entnahmemenge von wieder 3,0 Mio. m³ möchten wir Sie bitten dieses Genehmigungsverfahren Ihrer Prüfung zu unterziehen.

Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass das Genehmigungsverfahren am LRA Rosenheim schon fortgeschritten ist. Wir müssen davon ausgehen, dass das LRA Rosenheim noch in diesem Jahr über den Genehmigungsantrag der Fa. MEGGLE entscheiden wird und bisher haben die Vertreter des LRA stets Unterstützung für die Firma MEGGLE geäußert. Wir bitten deshalb den Petitionsausschuss ausdrücklich zunächst zu veranlassen, dass seitens des LRA Rosenheim vor der abschließenden Behandlung unserer Petition keine abschließende Entscheidung getroffen wird.

Vorab möchten wir aber auch bemerken, dass wir keinesfalls wollen, dass die Firma MEGGLE kein Wasser mehr fördern darf und es uns wichtig ist, dass die Firma MEGGLE unter anderem mit Wasser von den öffentlichen Trägern versorgt wird. Wir möchten lediglich, dass das kostbare Gut Grundwasser sorgsam verwendet wird und für zukünftige Generationen noch im ausreichenden Maß vorhanden sein wird.

Somit möchten wir Ihnen hier unsere Bedenken, Sorgen und einige Fakten aufzeigen, die gegen eine so hohe Entnahmemenge der Firma MEGGLE unseres Erachtens entgegen sprechen:

  1. Die Firma MEGGLE beantragt die Versorgung eines Teils des Wasserburger Ortsteils Reitmehring sowie des Wasserburger Ortsteils Viehhausen mit Trinkwasser. Dies sehen wir außerordentlich problematisch, da hier kein funktionstüchtiges Wasserschutzgebiet mehr vorhanden ist. Auch verwundet es uns sehr, dass die Stadt Wasserburg gerade in diesem Bereich ein neues Wohngebiet ausweisen durfte, obwohl damals der Stadt Wasserburg bereits bekannt gewesen sein muss, dass die Firma MEGGLE dieses neue Baugebiet mit Trinkwasser versorgen muss, welches aus einem Brunnen gefördert wird, der kein Wasserschutzgebiet vorweisen kann.Art. 57 Abs. 2 GO ist es eine Pflichtaufgabe der Stadt Wasserburg ihre Bürger als auch das ansässige Gewerbe mit Trinkwasser zu versorgen. Obwohl derzeit aber kein Leitungsnetz der Stadt Wasserburg in diese Stadtteile liegt, wird von der Stadt Wasserburg erst mittel- bis langfristig darüber nachgedacht, wie sie diese Teile versorgen könnten. Laut Antragsunterlagen der Firma MEGGLE kann die Stadt Wasserburg erst nach Beendigung des Planfeststellungsverfahren zur Umgestaltung der B304 sich Gedanken machen, wie sie ein entsprechendes Leitungsnetz dorthin verlegen kann.

Dies ist für uns viel zu lange und auch kein definierter Zeitraum. Es müsste doch technisch möglich sein, von der derzeitigen großen Baustelle des Inn-Salzach-Klinikum, direkt auf der gegenüberliegenden Seite der Firma MEGGLE ein Leitungsnetz unter der B15 in diese o. g. Ortsteile und für die Versorgung der Firma MEGGLE zu verlegen. Somit wären eine Planung und sicherlich auch die Durchführung in den nächsten 5 Jahren möglich. Die Bürger in diesen Ortsteilen bekämen dann auch endlich wieder Trinkwasser mit einem funktionstüchtigen Schutzgebiet.

  1. Der trockene Sommer 2018 hat sehr deutlich gezeigt, dass der Wasserzulauf und das Wasservorkommen im Edlinger Delta nicht unerschöpflich sind. Das steht im Gegensatz zu dem was in dem geologischen Gutachten, welches die Firma MEGGLE beauftragt hat, behauptet wird. Wie die Messdaten des Edlinger Gemeindebrunnens zeigen, ist der Grundwasserspiegel hier um 1,60 Meter gefallen (siehe Grafik Anlage 1).

Dieses „geringe“ Absinken des Grundwasserspiegels hatte bereits starke Auswirkungen auf die Natur und die Bevölkerung innerhalb des Gemeindegebietes Edling.

Hier möchten wir einige Beispiele benennen:

  • Im Naherholungsgebiet „Brandmeier-Weiher“ wurde nur durch das beherzte Eingreifen der Edlinger Feuerwehr ein großes Fischsterben verhindert. Was jedoch bei anderen Tierarten, wie z. B. den Muscheln nicht abgewendet werden konnte (siehe Bilder in Anlage 2). Im Fall des „Brandmeier-Weiher“ konnte die Natur sich noch nicht wieder erholen. Die Quellen sind immer noch trocken und der Wasserstand entspricht immer noch nicht dem Stand von 2017.
  • Auch die Fischzucht am sogenannten Überlauf des Edlinger Beckens in Breitbrunn hat sehr hohe Verluste, aufgrund des Fischsterbens von ca. 90 % des gesamten Fischbestandes im Jahr 2018, zu beklagen. Ursache für das Sterben war mangelnder Zufluss von Wasser aus dem Edlinger Becken! (siehe Bild in Anlage 3).
  • „Trockenfallen“ der Geothermie Anlagen mehrerer Wohnhäuser ab dem Wintermonat November 2018. Da kurzfristige Nachbohrungen (welche für den Einzelnen hohe finanzielle Kosten verursacht) zu diesem Zeitpunkt kaum zu bewerkstelligen waren, mussten sich hier die Bewohner mit Elektroheizungen oder Holzöfen notdürftig behelfen.
  1. Laut Aussage der Geologen, welche das Gutachten der Firma MEGGLE erstellt haben, fließt in das Edlinger Becken immer mehr Wasser nach als die derzeitig bewilligten Entnahmemengen (MEGGLE AG 3,0 Mio. m³ und Gemeinde Edling ca. 500.000 m³). Im Gutachten steht auch, dass der Grundwasserspiegel maximal um 0,50 Meter sinken wird. Diese Aussagen, getroffen in der Informationsveranstaltung im Februar 2018, sind für uns nicht nachvollziehbar, da ansonsten im trockenen Sommer 2018 die oben genannten Probleme nicht aufgetreten wären! Auch zu bedenken ist, dass aufgrund des Klimawandels von führenden Wissenschaftlern noch weitere trockene Sommer und vor allem auch trockene und warme Winter in unseren Regionen vorhergesagt werden. Dass der Grundwasserspiegel bereits seit Jahren sinkt, belegen auch die Messwerte des Brunnens an der Adler Kiesgrube sowie die Messwerte des Brunnens der Gemeinde Edling. Bei der Adler Kiesgrube ist der Grundwasserstand im
    Trend seit 1991 um 0,30 Meter gefallen und am Brunnen der Gemeinde Edling ist der Grundwasserspiegel seit 2010 sogar um ca. 1 Meter gefallen! (siehe Anlage 4, 5 und 6)
  2. Aus den Gesprächen mit der Firma Meggle ist uns bekannt, dass die Firma Meggle ein weiteres Einsparungspotential an Wasser sieht. Dafür extra eingestellte Mitarbeiter und beauftragte Fremdfirmen sollen hier die Bemühungen der Firma Meggle unterstützen. Laut Herrn Dr. Schmale (ehemaliger Vorstandsvorsitzender) ist eine weitere Trinkwasserreduzierung auf bis zu ca. 1,8 Mio. m³ Wasser geplant. Das Prozesswasser wäre mit Hilfe von Aufbereitungsanlagen auch „intern“ herzustellen, so der Vorstandsvorsitzende. Somit ist es für uns nicht nachvollziehbar, warum die Firma MEGGLE AG wieder eine Entnahmemenge von 3,0 Mio. m³ beantragt. Dies nur mit dem geplanten Wachstum der Firma MEGGLE zu begründen, finden wir nicht nachvollziehbar. Das würde, nach den im Antrag der Firma MEGGLE stehenden Zahlen, ein Wachstum von über 50 % in 20 Jahren bedeuten. Hier sind weitere Wassereinsparungspotentiale noch nicht mit eingerechnet. Eine solche fiktive und unbegründete Wachstumsannahme über 20 Jahre zu treffen entbehrt jeglicher Grundlage und dient unserer Meinung nach nur dem Zweck die Zahl „3 Millionen“ zu halten und dieser in irgendeiner Art und Weise gerecht zu werden.
  3. In den Antragsunterlagen der Firma MEGGLE für die Genehmigung der Wasserentnahme befindet sich unter anderem eine Tabelle mit dem geplanten Wasserverbrauch im Verhältnis zur Nettoproduktionsmenge. Aus dieser lässt sich eine geplante Wasserersparnis der Firma MEGGLE in den Jahren von 2020 bis 2040 von nur 11 % errechnen. Dies ist nach unserem Dafürhalten viel zu gering in 20 Jahren! Eine Firma in dieser Größenordnung sollte in der Lage sein, wesentlich mehr Wasser mit Hilfe eines detaillierten Wasserwirtschaftsplan und dem Einsatz neuester Technologien einzusparen!
  4. Im Weiteren finden wir in den Antragsunterlagen der Firma MEGGLE auch keinen detaillierten Wasserhaushaltsplan; weder für die Gegenwart noch für die Zukunft. Bei dieser Entnahmemenge sollte ein solcher Plan unserer Meinung nach vorliegen. Hier sollte detailliert dargestellt werden, wie die Firma MEGGLE nachhaltig ihren Wasserverbrauch reduzieren und an neue Technologien anpassen möchte. Hierzu fügen wir als Beispiel ein Bericht über eine Molkerei in Mexiko bei, welche kaum Trinkwasser für ihre Produktion benötigt (siehe Anlage 7). Dass diese Molkerei nicht

1 zu 1 die Molkerei MEGGLE abbildet, ist uns natürlich klar. Trotzdem wird in diesem Artikel verdeutlicht, was heutzutage bereits alles möglich ist! Und gerade in diesem Bereich wird die Technologie weiter vorangetrieben!

  1. In den Antragsunterlagen der Firma MEGGLE wird bzgl. der Nutzung des Trinkwassers keine detaillierten Angaben gemacht. Hier wird nur sehr undifferenziert über die Verwendung des Trinkwassers für Reinigungszwecke, als Kühlwasser, als Warmwasser, Prozesswasser für die Produktion und für Waschwasser gesprochen. Unserer Ansicht nach, müsste die Firma MEGGLE wesentlich genauer bezeichnen, für was sie wirklich Trinkwasser benötigt und für welche Produktionsvorgänge auch Wasser mit geringerer Qualität ausreichen würde.
  2. Durch eine Versorgung auch seitens der Stadt Wasserburg würde die Firma MEGGLE auch bei einer eventuellen Verunreinigung des Grundwassers (im Edlinger Gemeindebereich oder aber auch im Gemeindebereich der Stadt Wasserburg) immer noch produktionsfähig bleiben (Sicherung der Arbeitsplätze)! Schließlich mussten bereits in der jüngsten Vergangenheit in den Nachbargemeinden Soyen, Ramerberg, Pfaffing und auch schon im Wasserburger Stadtteil Gabersee die Bürger ihr Trinkwasser aufgrund von Verunreinigungen abkochen!

Unser Fazit:

  • Die genehmigte Entnahmemenge sollte sich bis 2024 auf die jetzt von der Firma MEGGLE benötigten 2,3 Mio. m³ Wasser belaufen.
  • Die Stadt Wasserburg muss ab 2024 die Firma MEGGLE mit 1,2 Mio. m³ Wasser versorgen. Der größte Teil dieser Wassermenge wird von der Stadt Wasserburg bereits gefördert aber nicht verwendet, da die Stadt Wasserburg das Grundwasser mit Hilfe eines artesischen Brunnens fördert. Solche Brunnen dürfen nicht gedrosselt werden; somit wird derzeit das überschüssige Wasser in den Schwarzmoosbach abgeleitet. Durch die Versorgung der Firma MEGGLE würde das Wasser nun über die Firma MEGGLE dann in den Inn abgeleitet werden. Schließlich ist die Firma MEGGLE auf dem Stadtgebiet der Stadt Wasserburg ansässig und die Stadt Wasserburg hat gem. Art. 57 Abs. 2 Gemeindeordnung die Verpflichtung ihre Privathaushalte als auch ihr ansässiges Gewerbe mit Trinkwasser zu versorgen. In diesen 5 Jahren hat die Stadt Wasserburg genügend Zeit ein entsprechendes Leitungsnetz zu verlegen. Schließlich versorgen sie bereits das Inn-Salzach-Klinikum und haben somit bereits ein Leitungsnetz auf der südlichen Seite der B304. Die Planungsunsicherheit aufgrund des Neubaus der B304, ist unserer Meinung nach, nur ein Vorwand der Stadt Wasserburg. Ein Leitungsnetz von Gabersee aus unter der B15 zu verlegen, dürfte technisch ohne weiteres möglich sein.
  • Ab 2024 sollte die genehmigte Entnahmemenge der Firma MEGGLE um die Menge, welche dann die Stadt Wasserburg liefert, gekürzt werden.
  • Auch sollte ab 2024 die Entnahmemenge in einem regelmäßigen Abstand, z. B. alle 5 Jahre, hinsichtlich der geplanten Wassereinsparungen seitens der Firma MEGGLE gesenkt werden.

Vielen Dank, dass Sie unsere Bedenken und Besorgnisse in Ihre Entscheidungsfindung einfließen lassen.

Aufgrund der Kürze der Zeit möchten wir Ihnen die gesammelten Unterschriften für diese Petition noch nachsenden; hierzu wäre es schön, wenn Sie uns einen Ansprechpartner nennen würden, damit wir die Unterschriftenlisten direkt an den richtigen Ansprechpartner senden können.

Anlage 1:

Anlage 2.1:

Anlage 2.2:

Anlage 3:

Anlage 4:

Anlage 5: 

Anlage 6:

Anlage 7:

https://edling-wasser.de/2018/04/02/cero-agua-wasser-wiederverwendung-in-einer-molkerei-in-mexico/

 
 

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